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Die Angst geht um

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Unlängst stand ich im Supermarkt an der Kasse und ein Mann mittleren Alters wandte sich zu mir. „Das ist die neue Pest“ richtete er unvermittelt seine Worte an mich. Natürlich war mir gleich klar wovon er sprach, die ausgehängten Boulevardzeitungen vor uns schrieen uns das Thema ja förmlich entgegen. Ich habe passend dazu unlängst ein meiner Meinung nach sehr gutes Posting auf Twitter gelesen:

Es steht außer Frage, dass das seit Jänner auch in Europa grassierende Coronavirus (SARS-CoV-2) eine Herausforderung für die medizinischen Kapazitäten darstellen kann wenn man die mittlerweile hoffentlich allgemein bekannten Verhaltensregeln nicht beachtet. Und dass es so gut wie sicher ist, dass es sich zu einer globalen Pandemie entwickeln wird.

Derzeit wird bei SARS-CoV-2 von einer Sterblichkeit von ca. 2,3% ausgegangen, vor allem deswegen weil es derzeit noch keine Schutzimpfung gibt. Die WHO geht derzeit von einem Zeitraum von ca. 1 Jahr aus, bis eine ausreichende Produktionsmenge an SARS-CoV-2 Impfstoff für die Allgemeinbevölkerung zu Verfügung stehen kann. Das ist überschaubar und der Zeitraum ist vor allem den strengen Tests nach internationalen Vorgaben geschuldet, bevor ein medizinischer Wirkstoff vertrieben werden darf. Es wäre ja auch wenig zielführend einen Wirkstoff zu vertreiben, dessen Nebenwirkungen schlimmer als die Wirkung der eigentlichen Krankheitsursache ist.

Die Sterblichkeitsrate der saisonalen Influenza variiert. Nach Schätzungen der europäischen Seuchenschutzbehörde (ECDC) sterben in der EU, England, Norwegen, Island und Liechtenstein jedes Jahr ca. 15 000 – 75 000 Menschen vorzeitig durch Influenza assoziierte Ursachen. In Österreich sterben hochgerechnet im langjährigen Durchschnitt etwa 1.500 Menschen jährlich an den Folgen der Grippe oder grippeähnlicher Erkrankungen. 2018/19 starben 1.400 Menschen mit Grippe in Österreich, in der Grippesaison davor waren es 2.800 Menschen die mit Grippe starben.

Trotz einer Verbesserung der Luftqualität in Europa hat die Luftbelastung durch Feinstaub, Stickstoffdioxid und bodennahem Ozon im Jahr 2016 rund 400.000 vorzeitige Todesfälle allein in der EU verursacht, 5.300 Menschen sterben durch schlechte Luft jährlich in Österreich. Diese und viele andere harte Fakten kann man sich auf der Seite der europäischen Umweltagentur ansehen. Darüber liest man in den Boulevardmedien kaum etwas.

Wenn nun, wie überall bemerkbar, Politiker mit ernster Miene in die Kamera blicken und davon sprechen alles zu tun um uns zu schützen vor dem Coronavirus dann entbehrt das meiner Ansicht nach nicht einer gewissen Ironie. Aber es ist natürlich menschlich verständlich, dass wir uns vielleicht sogar besser fühlen wenn wir sehen, dass unsere Staatenlenker alles versuchen um den „Außenfeind Coronavirus“ von uns fernzuhalten. Nur werden es nicht die Politiker sein die uns die Angst vor dem Virus nehmen können, sondern Medizinerinnen, Genetikerinnen und Expertinnen der Pharmazie. Diese Menschen werden wie so oft nämlich wirkliche Hilfe für uns schaffen.

Übersicht vom 1.3.2020

Womit ich wieder beim eingangs zitierten Twitter Posting bin. Es ist schon interessant zu beobachten, dass die Virenbedrohung so gut instrumentalisiert werden kann, beim Thema Klimawandel jedoch die Wissenschaft sich immer noch viel zu wenig Gehör bei der politischen Elite verschaffen kann. Das ist wirklich faszinierend.

Über Impfgegner (auch gegen die saisonale Grippeschutzimpfung) werde ich hier kein weiteres Wort verlieren.

Es gibt hier übrigens eine sehr gute Informationsseite der John Hopkins Universität auf der die Anzahl der an SARS-CoV-2 erkrankten, genesenen und gestorbenen Menschen sehr gut und tagaktuell dargestellt wird. Zum heutigen Tag sind 2.979 Personen (davon 2.761 in China) mit dem Coronavirus gestorben.